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WUNDER DER GROSSEN UND DER KLEINEN WELT III

Project details

Entstehungsjahr

2019

Wettbewerbsbeitrag

36 Drucke

Category

Projekte

Seit mehreren Jahren rufe ich über verschiedene Wege dazu auf, mir Kleinbild-Dias für die Serie DIALOG zur Verfügung zu stellen. Mittlerweile haben mir über fünfzig Personen ihre Dias anvertraut. Das Archiv umfasst neben privaten Urlaubsbildern auch wissenschaftliche Vortragsreihen und Auftragsbilder einiger Berufsfotografen. Es finden sich Bilder aus den vierziger Jahren bis heute in meinem Fundus.
Manchmal sind meine Augen erschöpft, wenn ich stundenlang durch einen Diabetrachter geguckt habe, und freuen sich über eine kurze Erholung, wenn versehentlich ein leerer Diarahmen in die Sammlung gerutscht ist.
Bei der Betrachtung der Diaserie »Wunder der großen und der kleinen Welt III« sind mir etliche leere Glasrahmen aufgefallen, auf denen sich Spuren des entnommenen Bildes auf dem Bildträger abgebildet haben. Durch die Berührung des gewölbten Diafilms mit dem Glas ist etwas entstanden.
Dort, wo der Film in direktem Kontakt mit dem Glas stand, haben sich helle Stellen gebildet, die von Staub, chemischen Rückständen, Feuchtigkeit und Fusseln einigermaßen verschont geblieben sind. Je länger sich der Film im Diarahmen befunden hat und je »unsachgemäßer« die Lagerung war, desto reicher und detaillierter erscheint die Abbildung auf dem Glas. Der physische Kontakt eines ehemals vorhandenen Bildes zeichnet ein neues Bild.
Was außerdem bleibt, obwohl das eigentliche Bild entnommen wurde, sind die akribischen Beschriftungen auf den einzelnen Rahmen. Nur dass die Titel jetzt etwas anderes bezeichnen und zu einem assoziativen Kontakt auffordern. »Ostern 1962«, »27.8.59, Abends an der Bucht von Marseille«, »Grenze im Spandauer Forst«, »Gabi«, »April 59, Wolkenhimmel über der Heide« und »Teil 1: Obst und Pflanzenschädlinge im Kleingarten« sind einige Titel der Serie.
Ausgestellt wird eine Auswahl von 36 projizierten und anschließnd abfotografierten leeren Dia-Glasrahmen.
Als Referenz an den quadratischen Diarahmen, der ein Dia mit dem Seitenverhältnis 2:3 zeigt, werden die Bilder der Serie in rahmenlosen Glasbildhaltern im Format 20 x 20 cm präsentiert. Sie sind mit den verbliebenen Originaltiteln versehen und bestehen aus hoch- und querformatigen Fotografien.

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